so kiss me goodbye now

Über die Liebe, den Tod, die Passage. Wie Liebe den Tod sehen kann.
We shall not meet in this life again, so kiss me goodbye now. Eine Zeile aus dem Gedicht No Need von Raymond Carver ( 1938 -1988). Carver gilt heute als Neubegründer der modernen amerikanischen Short Story. Wenige Monate vor seinem Lebensende blieb ihm nur noch Zeit für Gedichte. „Ein neuer Pfad zum Wasserfall“ ist der letzte posthum veröffentlichte Gedichtband und zweifelsohne seine eigenwilligste und eindringlichste Gedichtsammlung. 
Aus zehn Gedichten von Carver und zweien seiner Frau Tess Gallagher wird ein luzider Theaterabend. Lyrik wird zum Erlebnis- und Echoraum, wird Installation und Illumination. Begehbar, erfahrbar, zum Greifen nah. Um Sehnsüchte geht es. Um Ängste, Abschiede, Erinnerungen.

„Sensible kunstvolle Performance. Traurig und schön zugleich.“ (WN)

Presseartikel – Westfälische Nachrichten, 14.11.2015

Glück im Angesicht des Todes

Sensible, kunstvolle Performance von MA.KE und RUE OBSCURE im Pumpenhaus

Von Isabell Steinböck

„Manchmal fällt es mir schwer zu glauben, dass ich meinen ersten Mann geliebt haben muss. Was ist aus der Liebe geworden?“, fragt eine Frau. Sie lehnt an der Theke des Pumpenhauses. Spätestens mit dem Tod eines Menschen ende die Liebe. Da ist sie sich sicher und leitet ihr Publikum in den Theaterraum. Der vermittelt ein wunderbar gegenteiliges Bild.

Ein Kornfeld ist auf die Bühnenwand projiziert, daneben eine Installation mit Ähren unter einem Gaze-Himmel. Auf dem Boden ist ein Gedicht von Schriftstellerin Tess Gallagher abgebildet, in dem sie beschreibt, wie sie von ihrem toten Ehemann Abschied nimmt. Traurig und schön zugleich wirken diese Zeilen, scheint sich das Paar doch selbst noch im Tod nah zu sein.

Liebe und Abschied sind Themen der Performance „So kiss me goodbye now“, die MA.KE unter der Regie von Manfred Kerklau in Kooperation mit RUE OBSCURE (Rauminstallation) im Saal des Pumpenhauses bringt. Mit drei Schauspielern und Schlagzeuger Hirzel Hirzelnsen ist eine 45-minütige, sensible Mischung aus Schauspiel, Installation und Musik gelungen, die inspiriert ist vom Leben und Werk des US-amerikanischen Schriftstellers Raymond Carver.

Den Tod vor Augen, schrieb Gallaghers Geliebter in den 1980-er Jahren eindringliche Gedichte („Ein neuer Pfad zum Wasserfall“). Zehn dieser Texte sind in dem Stück verarbeitet und finden auf unterschiedlichste Weise ihren Weg zum Publikum. Kerklau lässt die Lyrik flüstern, pinnt sie an eine Wand, projiziert oder malt sie auf den Boden der Bühne, die aus diversen kleinen, atmosphärisch dichten Räumen besteht. Mal erkundet das Publikum das Terrain, mal sind die Szenen zu sehen. Beate Reker und Carsten Bender schlüpfen in die Rolle von Gallagher und Carver, wenn sie in einem mit Plastik verhängten Glaskasten sitzen und davon sprechen, dass sie – das Ende des Mannes vor Augen – in Reno (Nevada) heiraten. Kurzes Glück, das zerplatzt wie die Seifenblasen, die zeitgleich durch den Raum fliegen.

In einer Umkleide richtet eine Ex-Ballerina (Katrin Heinrich) einen skurrilen Monolog an ihre kaputten Zehen („Diese Langweiler, die sich nur mit Müh und Not an die alten Zeiten erinnern“). In surreal-stiller Winterwelt erneuert ein Gatte sein Treueversprechen, bis ein lebenshungriger Schrei wieder zurück ins Leben führt: „Geh raus und spiel. Mach was draus.“

Konzept: MAKE, RUE OBSCURE
Regie: Manfred Kerklau
Rauminstallation: RUE OBSCURE
Mit: Beate Reker, Katrin Heinrich, Carsten Bender
Schlagzeug/Sounddesign: Hirzel Hirzelnsen
Video: Sven Stratmann
Installationsbau: Bernd Heitkötter
Kostümberatung: Bettina Zumdick
Maske: Sabine Schubert
Lichtdesign: Adrian Kantel
Grafik: Erich Saar
Presse & Öffentlichkeitsarbeit: Rita Roring
Leserechte beim S. Fischer Verlag; Frankfurt am Main

Eine Produktion von MAKE in Kooperation mit RUE OBSCURE in Koproduktion mit dem Theater im Pumpenhaus
Gefördert von: Kulturamt der Stadt Münster, Ministerium für Familie, Kinder Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste

Theater im Pumpenhaus, Münster
12.–15.11.2015, drei Vorstellungen pro Abend
12.–16.01.2017, drei Vorstellungen pro Abend