EIN NEUES LAND

Wiederaufnahme im Theater Pumpenhaus Münster 2019 

Neue Spieltermine finden am 10./ 11./ 12./ und 13. Januar 2019 um 20 Uhr sowie am 13. Januar 2019 um 15:00 Uhr statt. Der Kartenvorverkauf startet in Kürze über die Homepage www.pumpenhaus.de

Basierend auf der Graphic Novel „The Arrival“ von Shaun Tan

Was bringt einen Menschen dazu, alle und alles zurückzulassen, um eine Reise in ein unbekanntes, fernes Land anzutreten? An einen namenlosen Ort, in eine ungewisse Zukunft? Der Australier Shaun Tan zeigt in seiner preisgekrönten Graphic Novel „The Arrival“ in faszinierenden Bildern die Erlebnisse eines Mannes, der symbolisch für alle steht, die ihre Heimat verlassen müssen. Tans Werk erzählt wortlos, aber mit intensiver visueller Kraft über Flucht und Heimat. In seiner Erzählung gelingt ihm eine Parabel auf die Situation, die Umstände, die Befürchtungen eines Einwanderers, die bewegend und mitunter auch beklemmend das Gefühl der Fremdheit mit bildlichen Mitteln greifbar macht. RUE OBSCURE, das Szenografie-Experten Label, erschafft für die Bühne ein surreales Kulissentheater mit filmischen Projektionen und atmosphärischer Live-Musik wie ein poetisches Bilderbuch. Der Verzicht auf Sprache und die körperzentrierte Spielweise der Protagonisten, in Szene gesetzt von der Regisseurin Nelly T. Köster, lassen das Thema in eine berührende Geschichte fließen, die einen starken Sog auslöst. Zum Weinen schön.

Presseartikel - Westfälische Nachrichten, 16.03.2018
Premiere im Pumpenhaus: „Ein neues Land“ von Rue Obscure

Science-Fiction für Auge und Ohr

Die Szene erinnert ein wenig an Charlie Chaplin in „Modern Times“. Der namenlose Einwanderer hat Arbeit in einer Fabrik gefunden und hetzt dort automatisierten Arbeitsabläufen hinterher, bis er erschöpft am Boden liegt. Einen gravierenden Unterschied zu Chaplins Film gibt es allerdings.
Lena Wimmer schlüpfte in die Rolle des Chefs, der den Einwanderer (Gildas Coustier) in die Arbeit einweist. Foto: Ralf Emmerich

Die Szene erinnert ein wenig an Charlie Chaplin in „Modern Times“. Der namenlose Einwanderer hat Arbeit in einer Fabrik gefunden und hetzt dort automatisierten Arbeitsabläufen hinterher, bis er erschöpft am Boden liegt. Einen gravierenden Unterschied zu Chaplins Film gibt es allerdings. Der Chef, der seinem Angestellten am Ende den Lohn auszahlt, hat selber mitgearbeitet und sich dabei nicht weniger verausgabt als dieser.

„Ein neues Land“ nennt das Theaterlabel Rue Obscure sein Stück, das am Donnerstag im Pumpenhaus Premiere hatte. Es basiert auf der Graphic Novel „The Arrival“ des Australiers Shaun Tan und erzählt von einem Vater, der aus wirtschaftlichen Gründen seine Heimat verlässt. Namen werden nicht genannt, weder von Ländern noch von Personen. Das macht die Geschichte in gewisser Weise exemplarisch. Auch kommt sie weitgehend ohne Worte aus. Für die Augen hingegen hat sie einiges zu bieten. Und dank Milian Feys musikalischer Begleitung an E-Gitarre und Elektronik auch für das Ohr.

Karina Behrend und Anne Keller von Rue Obscure sind Bastlerinnen vor dem Herrn. Aus bemaltem Pappkarton haben sie eine faszinierende Comic-Welt geschaffen, in der Gildas Coustier in der Rolle des Einwanderers zunächst diverse Aufnahme-Prozeduren durchläuft. Dazu gehört auch die akribische Vermessung seines Körper inklusive Prüfung der Statik, für die Lena Wimmer als Ärztin auf seinen Rücken klettert. Später bekommt er eine Wohnung zugewiesen, die mit zwei Händen, die aus einer Klappe in der Wand ragen und diverse Dienstleistungen ausführen, ziemlich nach Science-Fiction aussieht.

In Nelly T. Kösters Inszenierung ist es insgesamt eine sehr freundliche, fast schon märchenhaft anmutende Welt, die den Flüchtling aufnimmt. Zwar gibt es immer wieder kulturell bedingte Missverständnisse, aber die sorgen hier eher für Komik. Was der Geschichte trotzdem einen bitteren und damit wohl auch realistischeren Anstrich verleiht, ist die Trennung des Protagonisten von seiner Familie und die daraus resultierende Einsamkeit. Es ist gewissermaßen sein komplettes früheres Leben, das ihm in der Fremde verloren geht. Und dieser Aspekt macht aus der anfangs so leicht und poetisch anmutenden Geschichte dann doch noch eine ernst Angelegenheit.

Von Helmut Jasny

Es spielen: Gildas Coustier, Lena Wimmer
Künstlerische Leitung, Szenographie, Dramaturgie: RUE OBSCURE – Karina Behrendt, Anne Keller
Regie: Nelly T. Köster
Projektionen: Sven Stratmann
Live-Musik/Sounddesign: Milan Fey
Kostümbild: Bettina Zumdick
Licht: Adrian Kantel
Produktionsleitung: Manfred Kerklau
Grafikdesign: Jeannette Gramsch-Behrendt
Regie-Assistenz: Pauline Hammans
Fotograf: Ralf Emmerich
PR: Rita Roring

Eine Produktion von: RUE OBSCURE in Koproduktion mit dem Theater im Pumpenhaus und Kreativ-Haus e.V., gefördert von: Kulturamt der Stadt Münster, mit Mitteln des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste e.V., Sebastian Cobler Stiftung für Bürgerrechte, unterstützt von: Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost

 

Theater im Pumpenhaus Münster 

Vorstellungen: Do, 15. März Fr 16., Sa 17., So 18. März 2018